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Wenn KI die Reise plant: Warum Tourismusdestinationen jetzt handeln müssen, um nicht unsichtbar zu werden.

  • Autorenbild: Benjamin Zwack
    Benjamin Zwack
  • 15. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Immer mehr Reisende fragen nicht mehr Google, sondern ChatGPT, Perplexity oder Gemini: Wohin am Wochenende? Welche Unterkunft passt? Wo isst man vor Ort gut? Die KI antwortet: meist schnell, meist selbstbewusst. Nur: Sie antwortet nur mit dem, was sie kennt. Und genau das ist das Problem. Was eine KI nicht "lesen" kann, existiert für sie schlicht nicht. Ein Wanderweg ohne saubere digitale Beschreibung, ein Gasthaus ohne strukturierte Online-Präsenz, ein Museum, das in keiner offenen Datenquelle auftaucht... All das fällt aus der Reiseempfehlung heraus. Für die betroffenen Betriebe und am Ende für die ganze Destination bedeutet das: keine Erwähnung, keine Empfehlung, kein Gast. Ein neues co:compass-Tool unterstützt Destinationen gezielt, ihre Sichtbarkeit im digitalen Raum deutlich zu verbessern.


Wir haben mit co:compass-Partner Karsten Palme gesprochen, warum touristische Destinationen in Sachen digitaler Sichtbarkeit jetzt handeln müssen und was ihnen das genau bringt.


Karsten, Du beschäftigst Dich schon lange mit Künstlicher Intelligenz und ihren Nutzungsmöglichkeiten im Tourismus. Was heißt fehlende digitale Sichtbarkeit konkret?



"Für die betroffenen Betriebe und am Ende für die ganze Destination bedeutet das: keine Erwähnung, keine Empfehlung, kein Gast. Diese Entwicklung betrifft nicht mehr nur digitale Vorreiter. Sie betrifft jede Destination, jeden Ort, jeden Betrieb. Und sie passiert bereits jetzt, während viele touristische Angebote noch nach den Regeln der klassischen Websuche aufbereitet sind. Wer hier nicht handelt, verliert nicht irgendwann, sondern schon heute an Relevanz in der Reiseplanung von morgen."


Wie geht co:compass diese Herausforderung gemeinsam mit den Destinationen an?


"Die gute Nachricht: KI-Lesbarkeit lässt sich gezielt verbessern. Aber nur, wenn man vorher genau weiß, wo man steht. Und genau dafür haben wir bei co:compass eine neue Methodik entwickelt.


Die Ausgangsthese: Wer nur im Web sucht, sieht nicht die ganze Destination


Der naheliegende Ansatz wäre, einfach zu prüfen, was online zu POIs, Unterkünften, Gastronomie oder Wegenetzen einer Destination zu finden ist. Genau hier liegt aber die Falle: Wer ausschließlich webbasiert recherchiert, unterliegt einem systematischen Verzerrungseffekt. Kleine, informelle oder nicht digital erfasste Angebote – oft gerade die, die eine Destination authentisch und lebendig machen – fallen von vornherein aus dem Blick. Man misst dann nicht die KI-Lesbarkeit einer Destination, sondern nur die KI-Lesbarkeit dessen, was ohnehin schon online sichtbar war.


Unsere Methodik setzt deshalb einen Schritt früher an: Bevor wir fragen, wie gut etwas online lesbar ist, klären wir zunächst, was es überhaupt gibt. Erst die reale Gesamtmenge an touristischen Angeboten liefert den Maßstab, an dem sich digitale und KI-seitige Sichtbarkeit überhaupt sinnvoll messen lässt."


Drei Stufen: von der realen Grundgesamtheit zur KI-Lesbarkeit


Wie geht das co:compass-Tool technisch vor?


"Konkret arbeiten wir mit einem dreistufigen Trichter:


  1. Reale Grundgesamtheit – über amtliche und verbandliche Quellen (Gemeinden, Tourismusverbände, Statistikämter, Vereine) ermitteln wir, welche POIs, Wanderwege, Unterkünfte und gastronomischen Betriebe tatsächlich existieren.

  2. Online-Auffindbarkeit – wir prüfen, welcher Anteil davon überhaupt digital erfasst ist, etwa in offenen Kartendaten oder touristischen Datenpools, Webseiten, Verzeichnissen etc.

  3. KI-Lesbarkeit – im letzten Schritt bewerten wir, ob und wie zuverlässig diese Angebote von KI-Systemen erkannt, verstanden und korrekt wiedergegeben werden können.


Erst der Vergleich aller drei Ebenen macht sichtbar, wo die eigentlichen Lücken liegen – und ob sie bei der Datenerfassung, der Digitalisierung oder der KI-Aufbereitung entstehen."


Der Praxistest


Wie bist Du genau vorgegangen?


"Wir haben diese Methodik nicht am Reißbrett entwickelt, sondern direkt an realen Destinationen erprobt. Dabei haben wir amtliche Verzeichnisse, offene Kartendaten und regionale Tourismusportale systematisch miteinander abgeglichen – über alle relevanten Angebotskategorien hinweg, von Unterkünften über Gastronomie bis zu Wegen und Sehenswürdigkeiten.

Das Ergebnis war ein Weckruf:

  • Während bestimmte Angebotsgruppen bereits gut digital erschlossen sind, zeigen sich bei anderen – gerade bei kleineren, informellen und oft besonders charakteristischen Betrieben – deutliche Lücken.

  • Sogar zentrale Wahrzeichen und Hauptattraktionen fehlten vollständig.

  • Wäre eine KI-Anfrage genau nach diesen Attraktionen gestellt worden, hätte die Destination an dieser Stelle schlicht nicht stattgefunden.

  • Solche blinden Flecken bleiben unsichtbar, wenn man nur fragt "Ist es online gut aufbereitet?" – sie werden erst greifbar, wenn man vorher weiß, was eigentlich alles dazugehört."


Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist


Es besteht also konkreter, hoher Handlungsdruck in vielen Destinationen?


"Richtig. KI-gestützte Suche ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern für einen wachsenden Teil der Reisenden bereits Alltag und dieser Anteil wächst weiter. Destinationen, die heute nicht wissen, wie vollständig und zuverlässig sie in diesen Systemen abgebildet sind, laufen Gefahr, schrittweise aus der Wahrnehmung potenzieller Gäste zu verschwinden, ohne dass es an einer einzelnen Stelle auffällt. Es ist kein Ausfall, der laut ist – es ist ein leises Verblassen, Anfrage für Anfrage.


Genau deshalb reicht es nicht, KI-Lesbarkeit als Nebenthema mitlaufen zu lassen. Sie gehört auf die gleiche strategische Ebene wie Web-Auftritt, SEO oder Social-Media-Präsenz waren, als diese neu waren – nur dass die Uhr diesmal schneller tickt."


Was das für Destinationen bedeutet


Was sind sinnvolle nächste Schritte für Destinationen, die jetzt aktiv werden möchten?


"Für Destinationsmanagement-Organisationen entsteht aus unserer Methodik ein konkretes, handlungsleitendes Bild: nicht nur eine grobe Einschätzung "KI kennt uns" oder "KI kennt uns nicht", sondern eine belastbare, kategorien- und quellenscharfe Standortbestimmung des eigenen Reifegrads. Sie zeigt, wo der größte Hebel liegt – bei der Datenpflege, bei der Anbindung an offene Datenpools oder bei der Aufbereitung von Inhalten für KI-Systeme – und macht damit aus einer diffusen Sorge ("Sind wir noch sichtbar?") eine klare Grundlage für priorisiertes Handeln.


Mit dieser Methodik bieten wir Destinationen ab sofort einen Rahmen, um genau diese Standortbestimmung vorzunehmen – als erster und notwendiger Schritt, um in der KI-gestützten Reiseplanung von morgen nicht zum Nebenschauplatz zu werden."


Vielen Dank für das Gespräch!


co:compass-Partner Karsten Palme steht bei Rückfragen und für ein individuelles Beratungsgespräch gerne telefonisch unter 0221 29 28 21-41 und per E-Mail (palme@compass-tourismus.com) zur Verfügung.

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